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REPORTAGE - Nis und Rosemeire Jesse und ihr künstlerisches Leben rund um das Mittelalter Drucken E-Mail

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Nis und Rosemeire Jesse und ihr künstlerisches Leben rund um das Mittelalter

Seit nunmehr 25 Jahren ist der Kieler Musiker Nis Jesse mit Gitarre und charismatischer Stimme musikalisch unterwegs mit Liedgut aus Kuba, Haiti, Mexiko, Brasilien und Spanien. Vielen in unserer Region bekannt als mittelalterlicher Musikus unter den Namen „Klanghold vom Ostseestrand“, begleitet von seiner Partnerin (im Leben wie auf der Bühne)  Rosemeire Jesse, die exotische Zigeunertänzerin „Esmeralda“. Zu sehen auf Mittelalterbanketten, wie im Gewölbekeller von Schloss Corvey, auf Straßenfesten und Mittelalter-Märkten in und um Höxter und Holzminden. Erst kürzlich unterhielten sie mit ihrer Musik, ihren Geschichten und Spielen die Gäste beim 1. Mittelaltermahl in der Schlosswirtschaft, im Weserrenaissance Schloss Bevern. Hier nutzte dieaktuellekamera die Möglichkeit zu einem Gespräch, um ein bisschen mehr von den Künstlern zu erfahren

Gespräch mit Nis und Rosemeire Jesse (wohnhaft in Höxter)

Seit wann seid ihr künstlerisch unterwegs als „Klanghold vom Ostseestrand“ und  als Zigeunertänzerin „Esmeralda?

Nis Jesse: Musik mache ich schon seit meinem 11. Lebensjahr und seit etwa 13 Jahren spiele ich auf Mittelalterbanketten, etwas später stieß Esmeralda dazu. Seither sind wir das ganze Jahr von Kiel bis Schwäbisch Gmünd, also fast in ganz Deutschland unterwegs. Aber auch im Ausland spielten wir schon auf einem Mittelalterbankett in der historischen Kulisse von Paraty, einer Kolonialstadt aus dem 17. Jahrhundert in Brasilien. An diesem Ort hatten wir auch einmal kürzlich überlegt, später im Rentenalter eine Piratentaverne in der Nähe von Rio zu eröffnen.

Was ist das Wichtigste an so einen mittelalterlichen Abend? Worauf müsst ihr achten, sodass sich die Gäste auch richtig wohlfühlen und damit eure Darbietung auch authentisch beim Publikum ankommt?

Nis Jesse: Das wichtigste Handwerkszeug dabei ist die Studie in Büchern, man muss sehr viel lesen über die Zeit und über die Geschichte der Menschen.  Zudem muss man viel über die  Instrumente dieser Zeit wissen und sie natürlich auch spielen können. Alleine bei unseren Mittelaltermahlen wird auf sechs verschiedenen Instrumenten gespielt.

Rosemeire Jesse: Wenn es auch aussieht wie ein Spiel, ist es dennoch alles Wahrheit. Dazu gehören überlieferte Geschichten, genauso wie Musikstücke, die tatsächlich in dieser Zeit geschrieben wurden.

Nis Jesse: Nun ja, es gibt zwar auch bei uns hier und da mal etwas Erfundenes, aber das merken die Gäste auch ganz schnell und wissen gleich, dass es sich um einen Spaß handelt. Aber grundsätzlich  arbeiten wir immer nach der Prämisse: Wir wissen, um was es geht. Dazu gehört z.B. auch, dass ich als Stadtführer in der Rolle des „Jost Ziegenhirt“ (einst Bäcker und Bremenfahrer, der im 30-jährigen Krieg zu den reichsten Bürgern Höxters gehörte), bei meinen Erlebnisführungen durch die alten Winkel und Gassen Höxters den wissensdurstigen Touristen berichten kann, wie man hier im 16. Jahrhundert lebte und dass es beispielsweise früher in dieser Stadt ein Badehaus und ein Bordell gab und wo man es damals finden konnte.

In welchem Zeitraum sind eure Figuren, die ihr verkörpert und die Musik, die ihr spielt, angelegt?

Nis Jesse: Dazu muss man sagen, dass wir uns in unseren Aufführungen und Banketten nicht im Früh-  oder Hochmittelalter bewegen, sondern in der Zeit zwischen dem 13. und 16. Jahrhundert, also im Spätmittelalter. Nicht zuletzt, weil der Zeitbereich des Früh-  oder Hochmittelalters auf den Gast oder Zuschauer zu anstrengend wirken könnte. Denn in dieser Zeit waren Sauflieder nicht angesagt, sondern vielmehr Lieder, die in Plattdeutsch auf höchstem Niveau  präsentiert wurden. Aufgrund dessen auch für die meisten unverständlich.  Unser Liedgut besteht daher  zum größten Teil aus Gruppen wie Zupfgeigenhansel (Folk-Duo der 1970er- und 1980er-Jahre) und Liederjan  (Gruppe Tramps & Hawkers orientierten sich zu Beginn der 1970er Jahre hin zu deutschen Volksliedern). Daraus ging 1975 die Gruppe Liederjan hervor, die im Volkmusikarchiv in Freiburg in den 1970er Jahren alte Lieder ausfindig machten und neu vertonten. Vor dieser Zeit gab es nur eine gekünstelte klassische Musikszene, die mit den wirklichen deftigen Liedern des Mittelalters nicht viel zu tun hatten. Des Weiteren kommen unsere Dudelsackmelodien aus den 16. – 17. Jahrhundert und die Fiedeltänze aus dem 13., 14. und 15. Jahrhundert. Bei einer lustigen Runde kommt es aber immer wieder dazu, dass wir  nicht nur Lieder aus den Mittelalter spielen, sondern auf Wunsch der Gäste auch  Volkslieder und Handwerkerlieder und so mache Veranstaltung endete sogar mit Liedern wie „Hit the Road Jack“. Was sich auf den alten Instrumenten sehr witzig anhört.

Zu eurem Repertoire gehören auch heitere Spielchen, warum?

Nis Jesse: Während eines Mittelaltermahls oder Mittelalterbanketts kommen die unterschiedlichsten Gruppen an Menschen zusammen. Das heißt, fast jeder kennt seinen Nachtbarn oder sein Gegenüber nicht. Dann muss man ein bisschen Harmonie in die Runde hineinbringen. Was durch gemeinsame Spiele, Sprüche und Tischregularien schnell gelingt, denn gemeinsamer Spaß schweißt zusammen und  lockert die Stimmung. Wie und wann wir die Spiele einsetzen, wird an dieser Stelle nicht verraten, denn im Laufe der Jahre haben wir dafür unser ganz eigenes Konzept entwickelt.

Wie seid ihr überhaupt zur Thematik Mittelalter gekommen?

Rosemeire Jesse: Schon in meinem Heimatland Brasilien hatte ich immer das Gefühl, ich hätte schon einmal vor vielen vielen Jahren gelebt und als ich vor acht Jahren nach Deutschland kam und zehn Monate später Nis kennen und lieben lernte, war uns beiden schnell klar, unser Herz schlägt auch für die gleiche Musik und die Liebe zu vergangenen Geschichten. Von diesem Tag an war „Esmeralda“ geboren. Dabei geisterte uns die Geschichte im Kopf, dass „Klanghold vom Ostseestrand“ die Zigeunertänzerin „Esmeralda“ auf einer Pilgerfahrt im maurischen Spanien kennerlernte und sie von da an ihren künstlerischen Weg gemeinsam gingen. Damit hatte „Esmeralda“ auch geschichtlich eine Existenz. Die größte Inspiration für die Art wie sie sich bewegt und wie sie tanzt, war für mich der Film aus dem Jahre 1956,  „Der Glöckner von Notre Dame“, basierend auf dem gleichnamigen Roman von Victor Hugo. Vor allem die Tanzszenen der Hauptdarstellerin  Gina Lollobrigida als Esmeralda beeinflussen meine eigene Choreographie noch heute. Aber auch Aufzeichnungen in Büchern von Tänzerinnen dieser Zeit prägten letztendlich die Figur Esmeralda. Der Tanz selber baut sich aus indischen und spanischen Elementen auf, was meinem Naturell auch sehr nahekommt, da mein Papa aus Ägypten stammt und meine Mama aus Brasilien, so fließt quasi auch in meinen Adern Zigeunerblut.

Nis Jesse: Bei mir fing alles im Alter von 11 Jahren an, als ich in Kiel Lateinamerikanische Gitarre lernte und dadurch mit vielen Musikern aus Chile, Peru, Kuba und Lateinamerika mit ihren vielfältigen Musikinstrumenten aus ihrer Heimat  in Kontakt kam. So war es für mich faszinierend, dass man z.B. in Peru noch eine kleine Gitarre spielt, die noch heute so gestimmt ist wie einst im 16. Jahrhundert in Europa. Also durch die Neugier auf die Geschichte und Herkunft der Instrumente kam ich zur Faszination Mittelalter.  

Mittelalter-Duo Bandinfo

Zum Schluss noch eine Zusammenfassung  des künstlerischen Treibens von „Klanghold vom Ostseestrand“ und der Zigeunertänzerin „Esmeralda“, die sich, wenn sie zu Zweit mit ihrem Mittelalterprogramm auftreten, sich „Die Zwey von der Schankstelle" nennen.

Klanghold vom Ostseestrand besingt raubeinige Piraten, trinkfeste Klosterbrüder,
treulose Mägde und andere peinliche Begebenheiten. Er spielt dazu auf historischen
Musikinstrumenten wie: Laute, Dudelsack, Fidel, Drehleier und Waldzither.
Der Barde aus dem Norden erzählt aus alten Zeiten und zelebriert humorvoll alte Tischsitten, Bestrafungen sowie die Giftproben. Der Spielmann stellt sich mühelos mit seinem Programm auf den jeweiligen Anlass und das Ambiente des Auftrittsortes ein. So kann es lehrreich, humorvoll oder auch deftig zugehen!

Nis Jesse tritt außerdem auch solo und mit verschiedenen Bands und verschiedenen Musikstilen auf. Neben den Mittelalter-Events tritt er ebenso mit lateinamerikanischer Musik, französischer Musik, Folk und unplugged Rock auf.

Esmeralda, die geheimnisvolle Zigeunerin aus dem maurischen Spanien, begeistert das Publikum mit wildem Zigeunertanz und exotischem orientalischen Tanz.
Um Euren Ohren zu schmeicheln, begleitet sie den Spielmann mit Landsknechttrommel und anderen Musikinstrumenten. Ferner lehrt sie Euch einen Renaissancetanz, einen Mittelaltertanz sowie die geheime Fächersprache! Für Eure „Zwerge“ bietet Esmeralda mittelalterliche Kinderanimation (Mitmachtheater, Tanzkurs, Kurzweyl).

Ihre aktuellen Tourdaten in unserer Region

29.10.11: Das „Jesse-Grell-Trio" aus Kiel tritt im spanischen Restaurant „Ritmo", Westerbachstraße, in Höxter auf. Die Kieler Musiker interpretieren Musik aus Spanien, der Karibik und aus Südamerika. Das Trio tourte schon durch Kuba und Brasilien...
 
05.11.11: Das historische Gasthaus „Zum Landsknecht" (Höxter, Stummrigstraße 17) feiert sein 2-jähriges Jubiläum. Im romantischen Ambiente bei Kerzenschein kann man rustikales Brot, selbstgemachten Schmalz und andere traditionelle Gerichte verzehren. Der Spielmann „Klanghold vom Ostseestrand"(Nis Jesse) wird den Abend mit historischer Musik auf Laute, Drehleier, Fidel und Dudelsack musikalisch umrahmen.
 
11.11.11: Das humorvolle Duo „Moor im Ohr" interpretiert Musik von Folk bis Rock, im „Weser Garten" (Bad Karlshafen, Weserstraße 35). Das verrückte Duo lässt Dudelsackpolkas, irische Folkmusik, alte Rocksongs sowie Latinomusik erklingen. Ein perfekter Abend für alle Zuhörer, Mitsänger und Tänzer.
 
12.11./13.11.11: Rosemeire Jesse und Nis Jesse leiten in der VHS Höxter den Salsa-Workshop. Auf lockere Weise erlernen blutige Anfänger an dem Wochenende den echten "cuban style" (Anmeldungen bei der VHS Höxter).
 
26.11.11: Rosemeire Jesse („Esmeralda") partizipiert als Tänzerin im Rahmen des „Happy Music Sound Orchestras" - Konzertes (Stadthalle Holzminden).

Mehr Info unter: www.myspace.com/nisjesse
und  www.myspace.com/rosemeirejesse

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Einen musikalischen Tonmitschnitt (Podcast) vom Gesang mit den Gästen beim 1. Rittermahl in der Schlosswirtschaft Bevern: 

"Nur noch Brandwein, nur noch Schnaps"

"Dann wollen wir schaffen sieben Tage lang"

Bildergalerie vom 1. Rittermahl in der Schlosswirtschaft Bevern (mehr)

 
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